Abschreckung: Russlands innovative Mittel des elektronischen Kampfes

Ralf Rudolph, 11. Dezember 2015

Ralf Rudolph            11. Dezember 2015

 

Abschreckung: Russlands innovative Mittel des elektronischen Kampfes

 

Am 6. November 2015 musste der Oberkommandierende der US-Luftwaffe in Europa, Brigadegeneral Frank Gorenk, eingestehen, dass die neuesten Entwicklungen Russlands auf dem Gebiet der Elektronischen Kampfführung (EloKa) die Hochtechnologiewaffen der NATO entwerten. „Die neuen russischen elektronischen Waffen können die Funktion der amerikanischen Elektronik in Raketen, Flugzeugen und Schiffen ausschalten“, lautet das resignierte Fazit des Generals. Und der Befehlshaber der NATO-Truppen in Europa, Ben Hodgens, äußerte. „Kein einziger Amerikaner hat je mit der russischen Artillerie oder mit bedeutenden Systemen der elektronischen Kampfführung zu tun gehabt.... im Unterschied zu den US-Streitkräften verfügt die russische Armee über leistungsstarke Einheiten der elektronischen Kampfführung, welche die Kommunikationsnetze unserer operativen Kommandos der Truppenführung lahm legen können“. Ähnlich sieht das der ehemalige Chef der Verwaltung der US-Truppen, Laurie Buckhout: „Unser größtes Problem besteht darin, dass wir seit mehreren Jahrzehnten nicht bei gestörter Kommunikation gekämpft haben und daher keine Ahnung haben, wie man in solchen Situationen vorgeht. Uns fehlen die Praxis und der Algorithmus der Handlungen, wir sind völlig unvorbereitet auf eine Kampfführung ohne Funkverbindung...Wir haben eine sehr gute Funkaufklärung und wir können tagelang jemanden belauschen, aber wenn es darum geht, Geräte außer Betrieb zu setzen, betragen unsere Fähigkeiten nicht einmal ein Zehntel der Leistungsstärke der russischen Armee.“

Die Weltmacht USA hatte sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR nicht mehr mit adäquaten militärischen Gegnern auseinandersetzen müssen. Die geopolitischen Ambitionen amerikanischer Strategen wurden ausschließlich gegen militärisch und technologisch unterlegene Staaten durchgesetzt. Derweil waren russische Rüstungsunternehmen nicht untätig. Die aktuell erkennbaren Möglichkeiten Russlands zur elektronischen Kriegführung haben westliche Militärs völlig überrascht. Russische Störsendersysteme in Syrien, in der Ukraine und in Litauen sorgten in den NATO-Führungsstäben für Ernüchterung. Man muss sich nun wieder der Risiken einer militärischen Konfrontation mit Russland bewusst werden.

Gleich zu Beginn des Ukrainekrieges gaben zum Beispiel ukrainische Militärs zu, dass ihre Sender und Telefone für mehrere Stunden lahm gelegt wurden. Die Special Monitoring Mission der OSZE berichtete ebenfalls, dass das GPS-System ihrer Drohnen gestört wurde, woraufhin diese landen mussten. Auch als die Vereinigten Staaten im Schwarzen Meer zu einer militärischen Machtdemonstration ansetzten, stießen sie schnell an ihre Grenzen: Ein russischer Frontbomber Su-24 legte im Frühjahr 2014, ausgerüstet mit einen neuen EloKa-Komplex, die gesamte Elektronik des US-Zerstörers Donald Cook im Schwarzen Meer lahm und macht ihn für kurze Zeit zu einer schwimmenden Badewanne. Das Schiff war vollkommen „blind“. Alle elektronischen Mittel des Schiffes, die Zielerkennung und -verfolgung, ja sogar das Navigationssystem des Zerstörers wurden außer Betrieb gesetzt. Die Su-24 flog zwölf Scheinangriffe gegen das Schiff, aber der Zerstörer konnte nicht reagieren. Diese Demonstration der militärischen Fähigkeiten Russlands bewirkte nicht nur, dass das amerikanische Kriegsschiff abdrehen und einen Hafen aufsuchen musste, sondern führte angeblich auch dazu, dass 27 Matrosen des Zerstörers abmusterten, weil sie ihr Leben nicht mehr einem solchen Risiko aussetzen wollten.

Die Aktion war für die selbstbewusste US-Navy vor allem deshalb so blamabel, weil sich gerade auf Schiffen dieser Art das amerikanische Antiraketensystem „Aegis“ befindet. Dieses Waffensystem ist mit seinen Raketen SM-3 ein Kernstück des sogenannten europäischen Schutzschildes, das angeblich gegen iranische Interkontinentalraketen gerichtet ist. In Wirklichkeit will man mit diesem Raketenabwehrschild die russische Erst- und Zweitschlagfähigkeit untergraben.

Russland hat an der Donald Cook vorgeführt, dass man dieses Antiraketensystem jederzeit elektronisch ausschalten kann. Damit ist der Raketenabwehrschild entwertet, bevor er überhaupt voll funktionsfähig ist.

 

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Su-24 mit EloKa-Containern                                    USS Donald Cook

Auch eine amerikanische Aufklärungsdrohne wurde 2014 von einem russischen EloKa-System über der Krim zum Absturz gebracht.

 

Bei einer NATO-Übung, die Anfang des Jahre 2015 in der Ex-Sowjetrepublik Litauen durchgeführt wurde, mussten Vertreter der US-Streitkräfte feststellen, dass die Funk-Kommunikationen der Alliierten gegen die russischen Störsender nicht abgeschirmt werden konnte. Die Kommunikationsverbindungen zwischen den NATO-Truppen wurden von mobilen Störanlagen auf russischem Territorium an der Grenze zu Litauen völlig lahm gelegt, so dass von den NATO-Kommandeuren Melder eingesetzt werden mussten, um Anweisungen und Befehle zu übermitteln. Wegen der Abhörgefahr mussten die Manövertruppen auch davon absehen, ihre aktuellen Standorte per Funk zu übermitteln. Was als Signal militärischer Stärke an Russland gedacht war, geriet so zum Debakel.

Auch in Syrien setzten Russlands Strategen unter anderem auf die neue Technologie der Elektronischen Kampfführung. Nach Angaben der amerikanischen und britischen Aufklärung haben die Russen in der Nähe der syrischen Hafenstadt Latakia das System Krasucha-4 stationiert, welches die Kommunikationskanäle der USA und der NATO vollkommen neutralisieren kann. Alle elektronischen Aufklärungsmittel inklusive der Satellitenaufklärung könnten innerhalb eines Radius von 300 Kilometern um Latakia vollkommen lahmgelegt werden. In dieser „EloKa-Blase“ liegt auch der türkische NATO-Militärflugplatz Incirlik Air Base, auf dem erst am 12. November 2015 fünf US-Militärflugzeuge F-15 für den Einsatz gegen die Terrormilizen des IS in Syrien eingetroffen sind und wo auch die sechs Tornados der deutschen Bundeswehr stationiert werden.

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Krasucha-4

 

Im April 2015 wurde vom russischen Konzern KRET die taktische Version eines EloKa-Systems mit dem Decknamen Richag ausgewählten Journalisten vorgeführt. Das System war auf einem Hubschrauber Mi-8 MTPR1 installiert. Seine elektronischen Abwehrmaßnahmen stören Radar- und Sonarsignale sowie andere Aufklärungssignale des Gegners. So können eigene Flugzeuge, Helikopter, Drohnen, Bodentruppen und Marineeinheiten gegen feindliche Luft-Luft-, Luft-Boden- und Boden-Luft-Abwehrsysteme innerhalb eines Radius von mehreren hundert Kilometern abgeschirmt werden. Die Technologie kann auch jedes elektronische Abwehrsystem eines potentiellen Gegners durchbrechen.

Die technische Funktionsweise der EloKa-Komplexe wird wohlweislich unter Verschluss gehalten. Es ist jedoch absehbar, dass die russischen Systeme nicht nur den europäischen Raketenschild der NATO militärisch entwerten, sondern auch zur Ernüchterung mancher Hardliner im Westen erheblich beitragen dürften.

Bisher waren EloKa-Systeme auf Basis analoger Bauelemente entwickelt und gebaut worden. Aber der heutige Einsatz digitaler Technik führte zu einer erheblichen Steigerung der Effektivität und zu einer Miniaturisierung dieser Anlagen. Heute sind die universellen Geräte so klein, dass sie auch in leichte Waffensysteme integriert werden können. Wo früher sehr große Störsender mit einem breiten Frequenzspektrum gebraucht wurden, werden heute nach sekundenschneller genauer Ermittlung der gegnerischen Frequenzen energiearme Störsender, die genau auf der erforderlichen Steuerfrequenz der gegnerischen Waffen arbeiten, eingesetzt. In den letzten fünf Jahren war in Russland ein regelrechter Boom bei der EloKa-Technologie zu verzeichnen. Von 2010 bis 2014 wurden 18 neue EloKa- Systeme erprobt und zum Teil in die russische Armee eingeführt. Beispiele sind die Komplexe Borisoglebsk-2, Alurgit, Rtut-BM, Infaund, Krasucha-2, -3 und -4, Moskwa-1, Parodist, Lorandit-M, Leer-3, Lesotschek, Lees, Magnij-RE3, TK-25E, Pole-21, Chilini und Murmansk.

Alle neuen militärischen Flugzeuge der russischen Luftwaffe sind mit dem Antiraketenkomplex Präsident-S ausgerüstet. Die Anlage schützt das Flugzeug gegen feindliche Raketen, so der Sprecher des Konzerns KRET, Wladimir Michejew, am 16. November 2015 auf einer Pressekonferenz. Das System warnt zu 90 Prozent den Piloten vor einem Angriff gegnerischer Raketen, so dass er Ausweichmanöver einleiten kann. Offensichtlich hatte die in Syrien von der Türkei abgeschossene Su-24 noch kein solches Gerät an Bord.

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Bordgeräte-Komplex Präsident-S

 

Der Komplex Rtut-BM hingegen ist für den Einsatz auf dem Gefechtsfeld, für den Schutz der Soldaten und der Technik gegen Artilleriebeschuss vorgesehen. Das System bildet einen elektronischen Schirm, unter dem das gegnerische Artillerieradar und die Navigationssysteme und Zünder intelligenter gegnerischer Artilleriegranaten lahmgelegt werden.

Das System Infauna neutralisiert die Zünder und stört die Lenksysteme und Funkverbindungen der Luft-Luft-Raketen und Luft-Boden-Raketen des Gegners.

Der Luftwaffenkomplex Chibini wurde zur Störung der Radar- und Raketensysteme der gegnerischen Luftverteidigung entwickelt. Er soll zur Standardausrüstung der Frontbomber Su-34 und der Jäger Su-30M gehören, auch jener, die zurzeit in Syrien im Einsatz sind. Das war auch jener Komplex, der im Frühjahr 2014 mit dem Frontbomber Su-24 im „scharfen Einsatz“ erstmalig gegen den US-Zerstörer Donald Cook erprobt worden war.

Die beiden neuesten mobilen Geräte Krasucha-4 (Tollkirsche) und Moskwa-1 sind vor allem in ihrem Zusammenwirken äußerst effektiv. Gemeinsam können sie alle Angriffs- und Verteidigungswaffen eines Gegners paralysieren. Die Krasucha-4 unterdrückt Signale von Spionagesatelliten, von großen Radaranlagen und AWACS- Flugzeugen im Umkreis von 300 Kilometern und macht somit die russischen Streitkräfte elektronisch fast unsichtbar. Auch gegnerische EloKa-Mittel können  damit außer Gefecht gesetzt werden. Die Bedienmannschaft der Krasucha besteht aus nur drei Soldaten und der Komplex ist in wenigen Minuten einsatzbereit.

Die Vorgänger-Systeme Krasucha-2 und -3 werden vorrangig zur Eliminierung aller Steuer-, Funk- und Radarsignale von Drohnen, Marschflugkörpern, intelligenten Bomben, operativ-taktischen Raketen und Artilleriesystemen des Gegners eingesetzt. Die Störanlagen können eigene Kommandozentralen, Truppenverbände, Flugabwehrmittel sowie wichtige industrielle, administrative und politische Infrastrukturobjekte zu decken. Sie analysieren die Art des Signals und unterdrücken feindliche Radaranlagen durch eine extrem starke Störstrahlung. Gegnerische Flugzeuge können ihre Angriffsziele nicht orten und die Hochpräzisionswaffen sind nicht einsetzbar. Dies zwingt sie, den durch das EloKa-System gedeckten Luftraum zu verlassen und ihre Kampfaufgaben abzubrechen.

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EloKa-Komplex Krasucha-4                                   EloKa-Komplex Krasucha-2

 

Der EloKa-Komplex 1L267 Moskwa-1 hingegen arbeitet im passiven Regime und kontrolliert im Umkreis von 400 Kilometern alle Signale des Gegners, ermittelt die Frequenzen und gibt sie zum Komplex Krasucha-4 weiter. Die Anlage ist auf drei LKW KamAS-6350-1335 montiert. In einem Container auf einem der LKW befindet sich die Station 1L265. Sie dient zum Suchen, Peilen und Finden der elektronisch strahlenden Luftobjekte im Umkreis von 360 Grad und zum Messen der elektronischen Parameter in den UHF-Bereichen L,B,C,X und Ku sowie zur Begleitung der Luftziele. Auf zwei weitern LKW sind die Container der Station 1L266 montiert. Es ist der automatische Führungspunkt des EloKa-Komplexes. Dort werden die Koordinaten und die wahrscheinliche Flugbahn des Zieles nach der Dreieckmethode bestimmt sowie die effektivste Gegenmaßname berechnet und an das EloKa-Bataillon mit dem Komplex Krasucha-4 weitergegeben. Ein Moskwa-1-System kann neun Störkomplexe oder Luftverteidigungssysteme mit Informationen versorgen. Das Herstellerunternehmen Quant teilte mit, dass 2015 bereits vier dieser Anlagen an das russische Verteidigungsministerium ausgeliefert wurden. Bis Ende das Jahres sollen fünf weitere hinzukommen.

 

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Zwei LW mit Containern des EloKa-Komplexes 1L267 Moskwa-1 (Foto NPO Quant)

 

Zu den seegestützten EloKa-Mitteln gehört der Komplex TK-25E. Montiert auf Schiffen kann er gegnerische Frequenzen im Bereich von 65 bis 2000 Megaherz stören. In der Entfernung bis zum Radarhorizont kann er gleichzeitig bis zu 256 Signale gegnerischer Schiffe und Schiff-Schiff-Raketen ermitteln und unterdrücken.

Speziell für Flugzeuge wurde das neue EloKa-System Witebsk entwickelt, das auf der Moskauer Luftfahrtschau 2015 erstmalig zu sehen war. Es dient zum Schutz von Kampfflugzeugen vor Radarüberwachungen vom Boden oder von Schiffen aus. Es stört den Einsatz von Boden-Luft-Raketen der gegnerischen Luftabwehr sowie von optoelektronisch gesteuerten und selbstsuchenden Lenkraketen. Die Frequenzen des gegnerischen Radars werden aufgeklärt und vom Flugzeug aus wird ein starkes Rauschsignal gesendet, welches das gegnerische Feuerleitsystem stört und somit den Start oder das Heranführen der Boden-Luft-Rakete des Gegners unterbindet. Auch gegen Einmann-Flugabwehr-Lenkraketen mit Infrarotsuchkopf wie z.B. jene der Komplexe Stinger, Igla und Strela kann das Gerät Witebsk eingesetzt werden. Es verfügt über ein spezielles Lasersystem, das vom Flugzeug aus den Infrarotkopf dieser Raketen außer Gefecht setzt.

 

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Frontbomber Su-34

 

Der 1. Stellvertreter des Generaldirektors des Konzerns KRET, Igor Nasenkow, erklärte zudem vor Journalisten, dass im Herbst 2015 die erste Charge eines speziellen Hochleistungs-EloKa-Komplexes des Typs Chibini-10B an das russische Verteidigungsministerium übergeben wurde. Der Komplex besteht aus zwei Containern, die unter den Flügeln einer Su-34 wie Zusatztanks oder Bomben  befestigt werden. Dadurch wird aus einer Standard-Su-34, die nur ein lokales EloKa- System zum Selbstschutz hat, eine universelle EloKa-Su-34. Mit dem Komplex Chibini-10B werden alle Signale von Radar- und anderen elektronischen Aufklärungsanlagen auf dem Boden und in der Luft in einem Umkreis von bis zu 300 Kilometern unterdrückt. Auch alle Aufklärungs- und Steuersignale von Boden-Luft-Raketensystemen werden außer Betrieb gesetzt.. Somit kann das Flugzeug nicht nur sich selbst schützen, sondern auch alle anderen Maschinen, die mit ihm im Verband fliegen. Damit wird ein in der Luft befindliches Geschwader elektronisch unsichtbar. Westliche Militärs stellten sich mit Beginn der russischen Anti-IS-Operation in Syrien die Frage, wie die 30 Su-24M, die 12 Su-25 und die 4 Su-34 von der Luftaufklärung der Nachbarländer unbemerkt nach Syrien gelangen konnten. Möglicherweise erfolgte die Verlegung der Maschinen unter der elektronischen Tarnkappe des Systems Chibini-10B.

 

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Container des Systems Chibini

 

Ein weiteres neues EloKa-System, das 2014 in die russische Armee eingeführt wurde, ist der Komplex Murmansk-BN. Er dient zum Abhören und zum Stören aller kurzwelligen Funkverbindungen des Gegners. Das betrifft Funk-, Telefon- und Satellitenverbindungen. Der Komplex wird vorrangig von der russischen Marine eingesetzt. Er arbeitet auf allen Kommunikationsfrequenzen der Schiffsverbände, Flugzeuge und Satelliten der NATO. Stationen dieses Typs befinden sich bereits in der Nordflotte, im Baltikum und auf der Insel Krim bei der Schwarzmeerflotte im Einsatz.

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Komplex Murmansk-BN2

 

Im Auftrag des russischen Verteidigungsministerium wurde von der Vereinigung Geräteentwicklung in Moskau auch eine „EloKa-Kanone“ gebaut und vorgestellt. Entwickelt wurde das System im Moskauer Institut für Radiotechnik RAN. Die Aufgabe der Waffe besteht in der Vernichtung von Drohnen, Marschflugkörpern, Präzisions-Bomben und Luft-Boden-Raketen. Die Anlage arbeitet im Mikrowellenbereich und unterdrückt nicht nur alle Signale dieser Fluggeräte, sondern zerstört auch alle elektronischen Geräte an Bord durch einen mächtigen elektro-magnetischen Impuls, berichtete ein Vertreter des Gerätebaukonzerns OPK auf dem Forum Armia-2015. Außerdem soll der Komplex zur Überprüfung der EloKa-Störsysteme in eigenen Fluggeräten genutzt werden. Sein Wirkungsradius soll bis zu 10 km betragen. Bisher wurde nur bekannt, dass zu dem Komplex ein sehr leistungsstarker Generator, eine Spiegelantenne, ein Steuer- und Kontrollsystem und ein Übtragungssystem gehören. Die „EloKa-Kanone“ soll auf dem Fahrgestell des Raketenkomplexes Buck montiert sein.

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Startfahrzeug des Fla-Raketensystems Buck

 

Im Konzern KRET wurde auch eine „EloKa-Falle“ für die russische Luftwaffe entwickelt. Das Gerät ist ein Störsender des Typs POI für den einmaligen Gebrauch.  Er wird vom Flugzeug oder Hubschrauber aus abgeschossen und sendet gezielt entsprechend des Frequenzbereiches und der Struktur vorgegebene Störsignale aus. In einem gängigen Geschoss ist eine mikroskopisch kleine Antenne und eine Batterie enthalten, die für einige Sekunden nach dem Start den ebenfalls enthaltenen Störsender einschaltet. In Abhängigkeit von der Situation kann das Gerät alle wichtigen elektronischen Merkmale des eigenen Flugzeuges imitieren und somit die Rakete auf sich lenken oder es sendet ein Störsignal aus, das die gegnerische Rakete vom eigenen Flugzeug ablenkt. Es handelt sich hier um EloKa-Munition. Dazu gehört auch die sogenannte Anti-Radar-Munition, die mittels ihres mikroskopisch kleinen Empfangssystems die gegnerische Radarfrequenz erfasst und die gegnerische Radarantenne am Boden trifft.

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POI-Geschoss

Viele dieser EloKa-Technologien sind Entwicklungen des Allrussischen Forschungsinstituts Gradient in Rostow am Don. Sie werden serienmäßig von der Wissenschafts- und Produktionsvereinigung Quant in Nowgorod hergestellt, die ein Teil der Holding KRET ist. KRET wurde im Jahr 2009 gegründet und ist Russlands größtes Elektronik-Unternehmen sowie eine der wichtigsten russischen Hightech-Waffenschmieden. Die Gesellschaft gehört zum Staatskonzern Rostec. Wichtige Schwerpunkte sind unter anderem die Entwicklung und Produktion von Avioniksystemen für zivile und militärische Flugzeugtechnik, von luftgestützten Radarstationen, IFF-Systemen und von Anlagen für elektronische Kampfführung. Der Konzern vereint 97 Forschungsinstitute, Konstruktionsbüros und Fertigungswerke in 29 Regionen der Russischen Föderation. Die Anzahl der Mitarbeiter beträgt rund 50 000. Zur KRET-Holding gehören etwa die Unternehmen Wissenschafts- und Produktionsvereinigung Quant (NPO „Quant“), das Elektromechanische Werk (BEMZ) aus Brjansk, das Allrussische Forschungsinstitut Gradient (VNII Gradient), das Forschungsinstitut Ekran (FGUP NII Ekran) aus Samara und das Radiotechnische Forschungsinstitut (KNIPTI) aus Kaluga. „Die Entwicklung und Herstellung der innovativer Hochleistungstechnik für die elektronische Kampfführung bleibt der wichtigste Teil unserer Aktivitäten“, sagte der KRET-Generaldirektor Nikolai Kolessow. „Wir halten etwa 74 Prozent der inländischen Marktanteile im Bereich von luft-, boden- und schiffsgestützten EloKa- Mitteln. In den vergangenen zwei Jahren hat der Konzern neun neue Typen von Komplexen für die Radarüberwachung, für die Kontrolle, Unterdrückung und Störung gegnerischer Signale für die Bedürfnisse unserer Streitkräfte entwickelt und geliefert“.

Russland hat damit eine technologische Schwerpunktsetzung vorgenommen, die nicht nur die Überlebensfähigkeit eigener Truppen und Kampftechnik im Konfliktfall erhöht, sondern die zugleich die taktischen Einsatzmöglichkeiten eigener Kräfte erheblich erweitert. Und man ist in Moskau offenkundig sehr darauf bedacht, dass diese Fähigkeiten von westlichen Militärs zur Kenntnis genommen werden. Es ist eine Warnung vor unbedachten machtpolitischen Muskelspielen und der Einmischung in Russlands Angelegenheiten.

Ralf Rudolph

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